Aschermittwoch
Überall ist Karneval, Helau, Alaaf, Narri/Narro und hastenichtgesehn! Und an Aschermittwoch sind die tollen Tage vorbei. Bumms. Traditionell würde nun eine 40-tägige Fastenzeit beginnen, die an Ostern wieder endet. Ich habe den Eindruck, diese 40 Tage beschreiben nur die Zeit zwischen zwei Terminen, an denen man sich kräftigst den Bauch füllt, über seine Verhältnisse trinkt und deswegen zwischendurch eben ne kleine Diät benötigt. Oder es schlägt mir ein fassungsloses “Fasten? Wat dat denn?” entgegen. Tut doch niemand mehr…
Ooooooder: man trifft auf die Lifestyle-Faster. “Triffst du dich auch heute mit deiner Fastengruppe?” “Ne du, wir haben uns gestern schon getroffen. Ich verzichte dieses Jahr übrigens aufs Verzichten und tu mir mal was Gutes, und du?” “Ich faste Schokolade, deren Kakaoanteil geringer als 40% ist” “Oh, toll, und spürst du schon was? …” etc. Die offizielle Fasten-Homepage der evangelischen Kirche hatte für mich nur folgenden Satz übrig: Leider gibt es keine Fastengruppe in Ihrer Stadt und Umgebung – Oh nein, was soll ich jetzt nur tun!? Fällt Fasten eben aus. Wie die letzten 28 Jahre
Ich habe bei den Kollegen von www.nikodemus.net ein bissl geklickt und einen Artikel gefunden, der das Fasten - wie es von Gott gewollt wäre - erklärt. Ich zitiere nur in kürzesten Auszügen: Wenn Menschen Gott um etwas bitten möchten, reden sie im Gebet mit ihm. Manche Menschen fasten auch zusätzlich, wenn es sich um etwas für sie sehr Wichtiges handelt. – Fastenbeispiele in der Bibel: 2. Samuel 12,16 (David suchte Gott und fastete lange), Nehemia 1,4 (Nehemia fastete und betete vor Gott), Matthäus 4,2 (Jesus fastete in der Wüste). – Beten und Fasten kann eine Situation verändern. – Fasten kann Störendes wegräumen und unterstützt damit die Ausrichtung auf Gott im Gebet. – Beten und Fasten sind keine Hebel, um einen ansonsten unwilligen Gott für meine persönlichen Zwecke und Ziele in Bewegung zu setzen. – Durch Gebet und Fasten richte ich mich bewusst und intensiv auf den Gott aus, mit dem mich mein Glaube verbindet. – Du machst es für dich und Gott, es geht um intensive Gemeinschaft mit ihm, nicht um die religiöse Außenwirkung.
Zwei Sachen fallen mir auf: 1. Das Fasten der Bibel gibt es immer nur im Zusammenhang mit dem Gebet. Wenn ich nicht mit dem lebendigen Gott eine Verbindung habe, dann kann ich zwar ne nette kleine Diät machen, ansonsten bringt das Fasten meiner Seele aber gar nichts. Fasten, um bei Gott was zu erreichen? Vergessen Sie’s! Und 2. erkennt man einen Fastenden woran? Daran, dass man ihn nicht erkennt (Matthäus 6,16-18). Lifestyle-Fasten, Aschekreuze, darbende “Ich faste mein Lieblingks-Lakritz”-Gesichter und anderer Schabernack sind zu nichts außer zur Selbstdarstellung nutze.
Fazit für mich: wer sich selbst durch eine bestimmte Sache den Weg und Blick zu Gott zustellt und genau diese Sache dann fastet, der machts richtig. Antenne neu und klar auf Gott ausrichten – find ich super. Für wen Fasten da ein Weg ist: Prima, Sie haben eine funktionierende Lösung gefunden
. Da heißt es sich entscheiden und nicht zaudern. Nur gilt nach wie vor (nicht vergessen): Glauben hilft wirklich, nicht Verzicht. Faste ich aber, weils schick ist oder weil der Kalender es vorschreibt oder weil Rituale so bequem sind, kann ichs auch gleich sein lassen. Nicht, dass Fasten irgendwie schädlich wäre (außer, man versucht, sich ausschließlich von Licht zu ernähren oder andere derartige Abarten). Aber bitte immer ehrlich bleiben.
So, das war er auch schon, mein blogpolitischer Aschermittwoch
(Mirjam Langenbach)
Tags: Aschermittwoch, Fasten, Gebet
Am 24. Februar 2009 um 16:12 Uhr
Wie stellt man klatschende Hände da?
Herzerfrischender und ehrlicher Beitrag zum vorweggenommenen Aschermittwoch!
Man kann ja auch Veilchendienstag mit dem “sich neu auf Gott ausrichten” anfangen oder an jedem anderen Tag auch!
Gratulation zu den bisherigen Blogbeiträgen. Da freu ich mich doch schon auf das Radioprogramm!
Weiter so! Bine
Am 24. Februar 2009 um 19:13 Uhr
Hi Miri,
toller Beitrag! – Eine Arbeitskollegin und ich hatten uns eigentlich zum Thema “Fasten” überlegt, mal 6 Wochen nicht zu arbeiten. Aber wir glauben, dass da unser Chef was gegen hat.
Am 25. Februar 2009 um 06:00 Uhr
Fasten und bloggen für Herz, Seele, Geist, Körper und auch ein bischen für den lieben Gott…
Intensive Zeiten erfordern intensive Gedanken. Darum faste ich 40 Tage. Fasten heißt für mich zu versuchen mit Gewohnheiten zu brechen und sich für neue Erfahrungen zu öffnen, aber auch mit Altlasten aufzuräumen.
Am 25. Februar 2009 um 09:13 Uhr
Habe heute morgen in der Wetzlarer Neuen Zeitung gelesen, dass ERF pop am 1. April startet. Das ist bestimmt ein Druckfehler?! Ihr fangt doch am Sonntag an, oder?
Sonst muss ich ja noch 1 Monat warten.
Am 25. Februar 2009 um 09:35 Uhr
Einfach nur gut und treffend! Danke – auf solche Beiträge möchte ich gerade in der Fastenzeit nicht verzichten;-)
Am 26. Februar 2009 um 08:21 Uhr
Es stimmt, die Pressemeldung ist richtig. ERF Pop kann leider erst am 1. April starten. Es gibt ein paar technische Schwierigkeiten. Das ist zwar nicht schön, kommt aber in den besten Familien vor. Also bitte einfach abwarten und Tee trinken; passt ja gut in die Fastenzeit. Und derweil in den Poplog gehen. Denn dort haben wir einige akustische Vorab-Leckerbissen für Sie und natürlich Bilder von unseren Bauarbeiten. Reinklicken lohnt sich also schon jetzt und die nächsten 31 März-Tage vergehen wie im Flug.