Liebe ist das Gebot
So langsam verschwinden die Ohrwürmer aus meinem Kopf. Sie haben sich ziemlich hartnäckig gehalten – ist aber auch verständlich: So oft hatte unser Chor „Die 10 Gebote“ durchgesungen und so beeindruckend war der Megachor in der Dortmunder Westfalenhalle, da war es für die Viecher ein Leichtes, sich zwei Wochen lang festzusetzen. Was für ein Schlusschor! 2500 Stimmen, eine Band, ein Orchester, acht Musicalprofis und bestimmt der ein oder andere der 10.000 Zuschauer sangen „Liebe ist das Gebot. Liebe allein schließt alles ein, Liebe weiß und vergibt. Liebe ist das Gebot. Was ihr auch tut, alles ist gut, wenn der eine den andern liebt!“
Alles ist gut wenn der eine den andern liebt. Friede, Freude, Eierkuchen, Liebe, Liebelei und alles ist gut? Entschuldigung, aber: Das reicht mir nicht. Wir wissen doch alle genau, dass das nicht funktioniert. Kaum ist der letzte Applaus verhallt und haben sich die Ohrwürmer getrollt, werden wir alle von der Realität eingeholt:
Da hat so’n Ixxxx derart dich neben meinem Auto geparkt, dass ich die Tür nicht mehr ordentlich aufkriege. Wenn mal alle so ordentlich stehen würden, wie ich, dann gäbe es gar kein Platzproblem! Und zu Hause? Da denkt mein stinkiger Nachbar gar nicht daran, mal seine Mülltonnen ausleeren zu lassen. Die Straße hat er ja eh noch nie gekehrt und Schneeschaufeln? Der doch nicht! Dann nervt den ganzen Tag meine Alte und spätestens im Bett, wenn er zu schnarchen beginnt, frage ich mich, warum ich den Kerl überhaupt jemals geheiratet habe. In der Schule setzt sich die doofe Kxx wieder neben mich, die so peinlich ist, weil sie ganz abartige Klamotten an hat. Und wenn jemand aus nem Callcenter bei mir anruft – Unverschämtheit! – dann leg ich sofort wieder auf (aber natürlich erst nachdem ich sehr deutlich mein Missfallen kund tat).
Alles ist gut, wenn der eine den andern liebt. Das ist die Wahrheit, aber wir wissen alle: Wir schaffen das nicht. Dabei ist Liebe wirklich DAS Gebot. Paulus erklärt das in seinem Brief an die Römer:
„Denn was da gesagt ist ‚Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht begehren‘, und was da sonst an Geboten ist, das wird in diesem Wort zusammengefasst: ‚Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.‘ (3. Mose 19,18)“
und Jesus selbst sagt:
„‚Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst‘. Es ist kein anderes Gebot größer als dieses.“
Da. Jetzt haben wir den Salat. Wir sind ja nicht einmal in der Lage, ein einziges Gebot einzuhalten. Wie sieht’s dann erst mit den anderen zehn aus? Die Antwort steht schon vorher fest: Wir können es nicht. Gott hat mit den 10 Geboten sein Regierungsprogramm aufgestellt. Das ist seine Vorstellung von „Alles ist gut“, seine Vision einer perfekten Welt. So hat er sie sich ausgedacht und erschaffen. Er kann sich daran messen lassen, sonst aber niemand. Denn wir sind Sünder.
„Na, jetzt übertreibt sie aber“ denken Sie vielleicht, „ein Sünder bin ich nun auch wieder nicht. So schlecht wie manch anderer verhalte ich mich gar nicht.“. Doch, ich bleibe dabei: Wir sind alle Sünder. Denn wir sind getrennt Lebende von Gott. Wir sind kein Teil seiner vollkommenen Welt. Das sagt dieser Begriff. Sünde ist in erster Linie keine Tätigkeit, sondern ein Zustand. Wir können aus eigener Kraft nicht zu Gott kommen, wir werden es niemals schaffen, uns zu 100% an sein Regierungsprogramm, seine Gesetze, zu halten oder sie in die Tat umzusetzen.
Was für ein Dilemma! Alles ist eigentlich so perfekt ausgedacht und wir wünschen uns doch auch alle, dass alles gut wird, oder? Aber Gott wäre nicht Gott, wenn er nicht schon an eine Lösung gedacht hätte. Liebe ist das Gebot – es geht um die Liebe. Um eine göttliche Liebe, die unseren Verstand übersteigt. Eine Liebe aus einer anderen Dimension, die Gott höchstpersönlich ans Kreuz getrieben hat, um dort für uns zu sterben. Eine Liebe, die ihn einen einzigartigen Rettungsplan für unsere Seelen hat erdenken lassen. Er starb für uns, damit wir durch den Glauben an ihn eine Möglichkeit haben, die Trennung aufzuheben. Die Sünde zu überbrücken. Wer das glaubt, der kann auf ewig mit Gott zusammen leben. Für den wird alles gut und der erlebt die makellose Regierung Gottes.
Wir alle haben eine Ahnung davon im Herzen, was Liebe alles kann und wozu sie fähig ist. Wir sehen Mütter, die wie Löwinnen um das Wohl ihrer Kinder kämpfen. Wir sehen Männer, die lieber sterben als ihre Frau dem Verderben auszusetzen. Wir sehen Menschen, die alles geben. Sich selbst aufopfern, um es einem geliebten Menschen besser gehen zu lassen. Liebe ist stark. Und Gottes Liebe umso mehr. Sie reicht aus für alle Menschen aus allen Zeitaltern. Das ist die Lösung! Agape. Göttliche Liebe. Eine Liebe, die bedingungslos ist und uns befreien kann. Eine Liebe, mit deren Hilfe wir uns komplett auf Gott ausrichten können.
Es ist alles getan. Was uns bleibt, ist die Entscheidung, Ja zu sagen. Ja zu Gott, Ja zu der Einsicht dass ich es alleine nicht schaffe. Dass ich niemals aus mir heraus gut genug sein werde. Dass ich ein Sünder bin. Ja zu Gott und zu seiner ausgestreckten Hand. Und jetzt wird ein Schuh draus: Gott gibt die Gebote. Er setzt die Messlatte und er hinterlässt in unseren Herzen eine Sehnsucht danach, dass alles gut werden soll. Und er lässt uns auch diese Ahnung, dass letzten Endes er selbst die Lösung ist. Denn Gott selbst ist die Quelle der Liebe, mit der seine 10 Gebote Sinn machen. „Liebe weiß und vergibt. Was ihr auch tut, alles ist gut, wenn der eine den andern liebt.“
(Mirjam Schnee-Tief Langenbach)
Am 14. April 2010 um 09:06 Uhr
Hier stellt es sich aber ganz anders dar. Ist das auch Nächstenliebe?